"Heute spielen Kinder auf der Autobahn"
Warum für einen Landschaftsplaner die Tauernautobahn ein Baby ist: Alexander Walcher, Chef über Österreichs Autobahnnetz, im Interview.

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Im Radlgraben bei Trebesing ist Alexander Walcher (42) aufgewachsen. Der Geschäftsführer der Asfinag Baugesellschaft verwaltet ein Jahresbudget von einer Milliarde Euro und ist zusammen mit seinem Geschäftsführerkollegen Gernot Brandtner für sämtliche Baumaßnahmen und damit für möglichst stauloses Funktionieren von 2200 Kilometer Autobahn in Österreich verantwortlich. Er besuchte nach der Unterstufe des Gymnasiums in Spittal die Försterschule in Bruck an der Mur. Nach der Matura ging er nach Wien, wo er an der Universität für Bodenkultur Landschaftsökologie und Landschaftsplanung studierte.
Er hat sich im letzten Jahr seines Studiums auf Umweltrecht und Umweltpolitik spezialisiert und in dieser Zeit in Manchester (UK) seine Diplomarbeit für Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) erarbeitet. Walcher gilt in Österreich als Experte für Umweltverträglichkeitsprüfungen der ersten Stunde und wurde aufgrund seiner Ausbildung 1997 von der damaligen Ösag (Österreichische Schnellstraßen AG) engagiert. Die Kleine Zeitung traf Alexander Walcher bei einem Kurzbesuch in seiner Heimat.
Wir sitzen hier auf der Terrasse des Cafés Nußbaumer am Hauptplatz in Gmünd. Warum wählten Sie diesen Ort für unser Sommergespräch?
ALEXANDER WALCHER: In all den Jahren, die ich schon von zu Hause weg bin, wurde das Café Nußbaumer für mich zu einem Basislager in der Heimat und die Familien Nußbaumer - senior und junior - zu sehr guten Freunden.
Ihre Person bringt man im Liesertal in erster Linie mit der Einhausung in Trebesing in Verbindung. War das ein Geschenk an ihre Heimatgemeinde?
WALCHER: Nein, ganz sicher nicht. Als dieses Thema spruchreif wurde, waren wir für die Tauernautobahn nur bis Gmünd verantwortlich. Der restliche Teil gehörte damals zu den Agenden des Landes Kärnten. Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Regionskoordinator Siegfried Neuschitzer zählten zu den ganz großen Befürwortern und so wurde aus einer Utopie Realität. Die Lärmentlastungsmaßnahme Einhausung Trebesing ist nur eine von vielen, welche die Asfinag zum Schutze der Menschen in alpinen Regionen errichtet.
Die Trebesinger waren zu Beginn gar nicht davon begeistert, dass die Autobahn in ihrem Bereich unter einem Tunnel verschwinden soll . . .
WALCHER: Ja, das hat mich damals auch irritiert. Es war mir unverständlich, dass die Bevölkerung vielfach nicht erkannte, welche Chance sich mit diesem Projekt bietet. Einzig der Bürgermeister hatte den nötigen Weitblick und unterstützte dieses Projekt von Beginn an. Heute spielen Kinder auf dem Dach der Einhausung und darunter rollt der Autobahnverkehr.
Ihnen wurde von der Gemeinde Trebesing im vergangenen Jahr die Ehrenbürgerschaft verliehen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
WALCHER: Sehr viel, diese Auszeichnung freut mich ungemein und macht mich stolz.
Anlässlich der Eröffnung der zweiten Röhre des Tauerntunnels am 30. Juni 2011 wurde Ihnen von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller das Große Verdienstzeichen des Landes Salzburg verliehen. Und zwar um Verdienste für den Umweltschutz. Widersprechen sich Autobahnbau und Umweltschutz nicht?
WALCHER: Vielleicht tue ich mir als Landschaftsökologe etwas leichter. Die Balance zwischen gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Aspekten ist mir wichtig. Und ich achte darauf, dass ich komplizierte Zusammenhänge erklären kann. Da kommt mir zugute, dass ich die Sprache des Volkes spreche.
Sie haben sowohl in Rennweg als auch in Zederhaus mit großem Widerstand aus der Bevölkerung gegen den Bau der zweiten Tunnelröhren bei Katschberg und Tauern zu kämpfen gehabt. Nach zwölf Jahren Planung und Bau rollt der Verkehr auf der Tauernstrecke vierspurig. Ein Meilenstein in Ihrem bisherigen Leben?
WALCHER: Der Ausbau der Tauernstrecke und die umfangreichen Lärmentlastungsmaßnahmen sind mein Baby. Ich würde die Eröffnung der zweiten Tunnelröhren als einen der größten Momente in meinem beruflichen Leben bezeichnen.
Sie verwalten ein Jahresbudget von über einer Milliarde Euro. Wie schieben Sie Korruptionsversuchen einen Riegel vor?
WALCHER: Ich habe vier Jahre lang einen internationalen Antikorruptionsausschuss für Straßenbau mit Vertretern aus über 30 Nationen geleitet. Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen müssen oberste Priorität haben. Integrität wird für unsere 260 Mitarbeiter klar definiert, ebenso Konsequenzen bei Verstößen. Ich denke, dass dies ein geeigneter Weg ist, um Korruption zu vermeiden.
Sie sind Herr über das österreichische Autobahnnetz. Welches Auto fahren Sie?
WALCHER: Mein Dienstwagen ist ein Audi A 4. Ich fahre selbst, Chauffeur habe ich keinen. Wir legen großen Wert darauf, mit dem Geld unserer Kunden sorgsam umzugehen.
Features
WORD-RAP
Wenn ich im Stau stehe: Dann bemühe ich mich daran zu denken, dass Baustellen den Sinn haben, dass das Straßennetz verbessert wird.
Ich würde nie. Ohne Vignette auf der Autobahn fahren. Ich schaue sogar, wenn ich mitfahre, ob das Fahrzeug ein gültiges Mautpickerl hat.
An meiner Arbeit mag ich: Dass sie erfüllend ist und Sinn macht.
Ich koche gerne: Asiatisch. Sonntags verwöhne ich meine Frau mit Wok-Spezialitäten.
Der Mittelpunkt meines Lebens: Ist seit 8. Jänner 2011 unsere Tochter Louisa. Ich stehe zwischen fünf und sechs Uhr morgens mit ihr auf, ich füttere und wickle sie. Am Abend versuche ich es so einzurichten, dass sie noch wach ist, wenn ich nach Hause komme und ich sie ins Bett bringen kann.
Mein Handicap ist: beim Golf acht. Früher habe ich noch sehr intensiv Badminton und Squash gespielt.
ZUR PERSON
Alexander Walcher. Geboren am 3. Juni 1969 in Klagenfurt, aufgewachsen in Trebesing. Walcher studierte Landschaftsökologie und Landschaftsplanung in Wien. Er spezialisierte sich dabei auf Umweltrecht und Umweltpolitik. 1997 begann er in der damaligen Ösag im Bereich Vergabewesen, ab 1998 war er Leiter bei Neubauprojekten. 2003 übernahm er die Leitung des Geschäftsfeldes Planung und wurde 2005 Leiter der Abteilung Planung. Seit 1. März 2008 ist Walcher Geschäftsführer der Asfinag Baumanagement GmbH. Er ist verheiratet, Vater einer Tochter und lebt mit seiner Familie in Wien.













