Autos sollen aus den Dörfern verschwinden
Der Zustand der öffentlichen Verkehrsmittel in Kärnten gerät in die Kritik. Verkehrsexperte Hermann Knoflacher lässt mit radikalen Lösungsansätzen aufhorchen.

Foto © FanzottIn Klagenfurt haben Autos gegenüber den Bussen bereits das Nachsehen. Experte fordert aber noch mehr Vorfahrt
Ein Witz - das ist der Zustand des öffentlichen Verkehrs in Kärnten für ARBÖ-Geschäftsstellenleiter Thomas Jank. Er wünscht jedem Pendler die Möglichkeit, sich vom Auto verabschieden zu können, aber: "Wenn man nicht am Bahnhofsvorplatz oder einer Haltestelle wohnt, wird die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel zum Problem. Das Auto bleibt für viele die einzige Möglichkeit, zum Arbeitsplatz zu kommen." Jank fordert die Kärntner Politik auf, die Infrastruktur im ländlichen Raum gehörig aufzurüsten.
Wie das möglich wäre, rechnet der Verkehrsexperte Hermann Knoflacher von der Technischen Universität Wien vor: "Würde man allein die Zinsen des Geldes, das in den Koralmtunnel gesteckt wird, für den öffentlichen Verkehr aufwenden, könnte man in jedes Kärntner Dorf Verbindungen im Viertel- und Halbstundentakt ermöglichen. Stattdessen wird das Geld im Tunnel vergraben." Knoflacher verweist auf das Beispiel Schweiz, wo sich die Bevölkerung über ihre Mobilität keine Gedanken machen muss. "Wenn man dort wandern geht, findet man sogar auf der Alm Bushaltestellen, die 40 mal pro Tag befahren werden." Er begründet den Vorsprung der Schweiz mit der gelebten direkten Demokratie: "Wahnsinnsprojekte wurden dort von der Bevölkerung abgelehnt, das Geld der Steuerzahler ging in die Verbesserung des Services." Erst dann wären die Anreize gegeben, um die eigene Bequemlichkeit zu überwinden.
Knoflacher geht sogar noch weiter und fordert, die Dörfer völlig frei von Autos zu halten. "Eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens wird erst eintreten, wenn der Weg zur Haltestelle kürzer ist als der Weg zum Auto." Bis es in Kärnten allerdings so weit ist, muss noch viel passieren. Verkehrsverbund-Chef Christian Heschtera sieht kein Licht für den Ausbau der "Öffis" in den Regionen. Er will sich lieber um die 75 Prozent der Kärntner Pendler kümmern, die im Zentralraum zwischen Spittal und St. Veit wohnen.













