Jedem Vierten fehlt gute Anbindung an öffentlichen Verkehr
27 Prozent erreichen die nächste Stadt nicht binnen 30 Minuten - Nachholbedarf besteht neben der Steiermark vor allem auch in Kärnten, Oberösterreich und Niederösterreich. "Das Schienennetz wurde jahrzehntelang vernachlässigt", prangert der VCÖ an.

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Jeder Vierte hat laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) keine gute Anbindung an die Öffis. Das Angebot halte mit der steigenden Nachfrage nicht mit, kritisierte die Vereinigung am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Der Schienenverkehr müsse gegenüber jenem auf der Straße dringend priorisiert werden. Erforderlich seien ein bundesweiter Taktfahrplan, Infrastrukturverbesserungen, eine gesicherte Grundversorgung auch im regionalen Bereich sowie ein modernes Ticketsystem.
Frankreich und Schweiz voran
Rund 60 Prozent der Österreich benutzen laut einer aktuellen VCÖ-Studie regelmäßig U-Bahn, Zug, Bim oder Bus: Jeder vierte Kilometer werde mittlerweile mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, insgesamt ergebe das jährlich eine Summe von mehr als 23 Milliarden km. Innerhalb der EU15 liege Österreich damit an der Spitze, bei der Bahn haben die Schweiz und Frankreich die Nase vorne.
Trotz der großen Bedeutung seien viele Gebiete schlecht oder gar nicht erschlossen, ortete VCÖ-Experte Martin Blum Nachholbedarf: 27 Prozent der Bevölkerung könnten das nächste Zentrum mit Öffis nicht in 30 Minuten erreichen. Am schlechtesten sei die Situation in Oberösterreich, wo nur 63 Prozent mit Bus, Zug oder Straßenbahn binnen einer halben Stunde in die nächste Stadt gelangen. Enormes Verbesserungspotenzial gebe es aber auch in der Steiermark, in Niederösterreich und Kärnten, mit einem Anteil von jeweils 64, 65 und 66 Prozent.
Besser ist die Situation in Salzburg und Vorarlberg (je 79 Prozent) sowie Tirol (72 Prozent). Je dichter das Angebot, desto größer auch die Nachfrage: In Tirol nützen laut VCÖ 22 Prozent mindestens mehrmals pro Woche öffentliche Verkehrsmittel, in Kärnten sind es nur 13 Prozent. Lediglich in Wien können die Öffis punkto Schnelligkeit mit dem Pkw-Verkehr mithalten: 100 Prozent erreichen das Zentrum dort binnen 30 Minuten. Mit einem Auto ist das in ganz Österreich im selben Zeitraum so gut wie jedem (98 Prozent) möglich.
"Jahrzehntelang vernachlässigt"
"Das zeigt, dass die Pkw-Bereiche besser ausgebaut sind, als jene für den öffentlichen Verkehr", kritisierte Blum. "Das Schienennetz wurde jahrzehntelang vernachlässigt". Ein Beispiel sei die Südstrecke der Bahn nach Graz und Klagenfurt, die 1970 die schnellste Verbindung gewesen sei. Heute sind diese Züge laut VCÖ aufgrund fehlender Investitionen kein bisschen rascher als damals, während die Autobahnen massiv ausgebaut und damit der Autoverkehr beschleunigt wurde.
Um aufzuholen, sei zunächst ein Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild notwendig, forderte Blum. Auch für die notwendige Sicherung der Grundversorgung seien die Eidgenossen ein Vorbild: Wo es pro Tag mehr als 500 Fahrgäste gibt, wird im Stundentakt verkehrt. Für Österreich wäre ein direkter Zugang zu Öffis für 80 Prozent der Bevölkerung ein wichtiges Ziel. Im Ticketbereich muss laut VCÖ eine Umstellung zu elektronischen Chipkarten erfolgen. Auch Modernisierungen bei Fahrgastinformationssystemen wären wichtig, Verspätungen sollten in Echtzeit und auch via Handy abrufbar sein.
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Finanzierung
Für Finanzierungsfragen fordert der VCÖ eine den Verkehrsver-bunden übergeordnete Dachorganisation, die Maßnahmen im Hinblick auf Klimaschutz im Rahmen eines Gesamtkonzeptes koordiniere und bei Geldern für Transparenz sorge. Derzeit sei nicht ersichtlich, welche Summen Länder und Gemeinden investieren. Im Nah- und Regionalverkehr decken die Tariferträge aber nur 45 Prozent der Kosten.













