Puch-Wundertier Haflinger in seinen Elementarteilchen
Fahren in seiner elementarsten Form: Ein Südsteirer belebt die Legende des Puch Haflinger neu und zeigt, was an Autos wie diesem verloren ging.

Foto © Franz Hammler
Gerade rechtzeitig zum 50-Jahres-Jubiläum des Puch-Wundertieres Haflinger hat ein Südsteirer ein Exemplar dieser raren Gattung auf unglaubliche Weise veredelt. Franz Hammler hat in tausendstündiger Heimarbeit eines der bemerkenswertesten Fahrzeuge geschaffen, die es in der Steiermark gibt. Beim Treffen zu den diversen Puch-Jubiläen des heurigen Jahres zählte das Werk des Kfz-Mechanikermeisters aus Klöch jedenfalls zu den Stars. Und heute verzückt Hammler die Besucher der Klöcher Buschenschänken, wenn er mit seinem Haflinger durch die Gegend kurvt.
Antithese zum modernen Auto
Der zierliche Geländewagen strahlt gewissermaßen Charme aus und ist so etwas wie die Antithese zum heutigen Automobilbau. Liebevoll hat Hammler nicht nur einen fabriksneu wirkenden Haflinger aufgebaut, sondern er lenkt mit einigen Kunstgriffen auch das Auge dorthin, worauf es bei diesem automobilen Elementarteilchen ankommt. Hammler verlegte Batterie und Tank und gewährt so zwischen den Rädern freien Blick auf den Antriebsstrang. Und Guckfenster geben Einblick auf die Zylinderköpfe des Boxermotors im Heck.
Der Klöcher hat seine Leidenschaft "für das Auge zu bauen", hier zur Meisterschaft entwickelt. Ganz ohne technische Anleitungen, ohne Lineal, Zeichnungen und Vorlagen realisiert er komplizierteste Dinge. Das Metall scheint seinen Händen nicht nur willig zu gehorchen, es scheint geradezu selber Freude daran zu haben, so gefühlvoll und instinktsicher behandelt zu werden.
Perfektion ist es, was Hammler anstrebt und sie scheint ihm zu gelingen. Der Aufwand ist beeindruckend. Allein die Nirosta-Schrauben kosteten einige hundert Euro, die Zahnräder fürs Getriebe ließ er um einen Tausender erneuern. Zusammengebaut hat er das Getriebe dann alles selbst. "Es gibt wahrscheinlich nur drei oder vier Leute, die das können", sagte nüchtern, ohne Überheblichkeit.
Form folgt der Funktion
Das Ergebnis ist Technik in ihrer schönsten Form. Die Form folgt der Funktion, es gibt kein Schnickschnack, sondern funktionale Vollendung. Allein das perfekt einfache Dreispeichen-Lenkrad ist eine Augenweide im Vergleich zu den heutigen Ungetümen, welche die Fahrer vor sich haben. Keine Fensterheber, Sitzheizungen, Klimaanlagen oder Airbag-Ansammlungen lenken von der eigentlichen Aufgabe ab: Ein kleines Auto, das überallhin fahren kann. Basta.
Dieser Purismus weckt die Sehnsucht nach dem Einfachen. Doch die heutige Autowelt kann und will sie nicht stillen.
Features
Fotoserie
Puch Haflinger
Konstruktion: Dieser kleine Allradler gilt noch heute als innovativ. Der flach bauende Boxermotor im Heck erlaubte eine fast unvergleichliche "Trivialität" der Konstruktion mit einer Plattform, die viele Karosserieformen und Einsatzzwecke möglich machte. Zum Antrieb genügten dem Haflinger maximal 27 PS, es reichte zu 75 kmh.
Produktion: 1959 bis 1975 wurden 16.522 Haflinger gebaut. In Österreich fanden 2.913 Stück einen Käufer, in Indonesien erstaunliche 1.041 Exemplare.














