US-Regierung bewegt sich auf Chrysler-Gläubiger zu
Im Ringen um die Zukunft von Chrysler ist die US-Regierung den Gläubigern des angeschlagenen Autobauers offenbar entgegengekommen.

Foto © APABewegung bei Chrysler
Das Finanzministerium bot ihnen
im Gegenzug für ihre Außenstände von rund sieben Mrd. Dollar (5,4
Mrd. Euro) ein Aktienpaket von fünf Prozent an einem umgebauten
Chrysler-Konzern an, wie die Nachrichtenagentur Reuters am
Mittwochabend von mit dem Vorgang vertrauten Personen erfuhr.
Besicherter Kredit.
Zusätzlich sei den Gläubigern ein vorrangig besicherter Kredit in
Höhe von 1,5 Mrd. Dollar offeriert worden. Damit lägen beide Seiten
eine Woche vor Ablauf einer Frist für weitere Chrysler-Staatshilfen
aber immer noch weit auseinanderliegen. Von der Regierung und dem
Autobauer lagen zunächst keine Stellungnahmen vor.
Sechs Milliarden Schuldenabbau.
Zu Wochenbeginn verlautete aus Kreisen, die Gläubiger um die
Banken JPMorgan Chase und Goldman Sachs verlangten einen hochrangig
besicherten Kredit über 4,5 Mrd. Dollar und einen Anteil von 40
Prozent an dem neuen Unternehmen. Die Regierung in Washington hatte
zuletzt einen "signifikanten Schuldenabbau" von bis zu sechs Mrd.
Dollar gefordert. Ein Aktienanteil war darin überhaupt nicht
vorgesehen.
Bündniss mit Fiat.
Der Autobauer muss sich innerhalb der nächsten sieben Tage mit
seinen Gläubigern und Gewerkschaften über eine Restrukturierung und
Kostensenkung einigen sowie ein Bündnis mit dem italienischen
Fiat-Konzern schmieden, um eine Insolvenz und damit auch eine
mögliche Abwicklung zu vermeiden. Von den Vereinbarungen macht die
Regierung weitere Hilfen abhängig.
Gespräche offen.
Der Ausgang der Verhandlungen zwischen Fiat und Chrysler ist indes
weiter ungewiss. Die Gespräche seien "völlig offen", erklärte Fiat am
Mittwochabend und wies damit Berichte über eine unmittelbar
bevorstehende Einigung zurück. Die größte US-Autogewerkschaft UAW
teilte mit, es gebe noch keine Vereinbarung. Ein Vertreter der
italienischen Gewerkschaft Fim-Cisl warnte, die Gespräche könnten
auch noch scheitern. Allerdings seien die US-Gewerkschafter sehr an
einer Einigung interessiert, sagte Bruno Vitali, der in Detroit mit
der UAW verhandelt.
Nur wenig Zeit.
Zuvor war berichtet worden, ein italienischer
Gewerkschaftsvertreter habe von einem unmittelbar bevorstehenden
Abschluss gesprochen. Chrysler hat seit Anfang des Jahres 4 Mrd.
Dollar Finanzspritzen der Regierung in Washington erhalten. Um
weitere Staatshilfen zu bekommen, muss Chrysler bis zum 30. April mit
Fiat eine Partnerschaft vereinbaren und weitreichende Zugeständnisse
der Kreditgeber und Gewerkschaften aushandeln. Chrysler ist
mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors Cerberus . Daimler hält
noch knapp 20 Prozent, die der Stuttgarter Konzern aber inzwischen
vollständig abgeschrieben hat.
Features
Fakten
Der angeschlagene US-Autobauer General Motors (GM) will nach Angaben informierter Kreise auf Druck der US-Regierung alle seine Schulden gegen Aktien tauschen.
Zum Thema
Fakten
Die US-Autobauer GM und Chrysler brauchen inklusive schon erhaltener Gelder laut ihren bisherigen Plänen insgesamt 39 Milliarden Dollar (29,4 Milliarden Euro) zur Sanierung. Am US-Automarkt ist unterdessen keine Besserung in Sicht.













