Verzweifelte US-Autoindustrie: Nun wird Kunden Sprit gezahlt
US-Hersteller Chrysler spendiert einen "Spritkosten-Beitrag" für drei Jahre - vorausgesetzt, man kauft von 7. Mai bis 2. Juni 2008 gewisse Modelle aus der Konzern-Palette: Zündende Marketing-Idee oder Milliarden-Dollar-Grab?

Foto © ChryslerOffizielles Logo der Aktion
Die drei amerikanischen Autohersteller General Motors, Ford Motor und Chrysler schlagen immer wieder neue Wege ein, um ihre offenkundigen Absatzprobleme auf dem Binnenmarkt auszugleichen. Einer von ihnen, der gebeutelte Chrysler-Konzern (alleine bei den Pick-up-Modellen von Chrysler gab es im April 2008 einen Absatz-Einbruch von 29 Prozent), versucht es nun mit einer mutigen Strategie gegen verhagelte Bilanzen.
"2,99-Dollar-Garantie". Man setzt nicht am Kernprodukt - also dem Auto selbst - an, sondern versucht den Konsumenten über spezielle Vergünstigungen in Sachen Sprit zu locken: Der Rohölpreis erreichte erst jüngst sein Allzeithoch, und man darf davon ausgehen, dass die Preisspirale munter weiter drehen wird. Auf Zeit soll nun - geht es nach den Marketingexperten - eine Art "Sprit-Preisgarantie" im Rahmen der am 7. Mai gestarteten Initiative "Let's Refuel America!" ("Tanken wir Amerika auf!") für Auftrieb sorgen: US-Kunden, die bis zum 2. Juni 2008 gewisse (meist eher "dick" geratene) Modelle der Konzern-"Brands" Chrysler, Dodge oder Jeep erstehen, wird versichert, drei Jahre höchstens zu 2,99 US-Dollar (1,94 Euro) pro Gallone (3,785 Liter) Benzin oder Diesel in ihre X-Large-Tanks zu füllen (Tageslimit: 400 US-Dollar). Klingt zunächst im wahrsten Sinne des Wortes (Kunden) "bestechend".
Riskante Aktion. Dass eine derartige Aktion am größten Automarkt der Welt finanziell mit erheblichen Risken verbunden ist, ist freilich auch Chrysler selbst bewusst: Es ist zwar vorstellbar, dass die Treibstoff-"Beihilfe" (von angenommenen 65 Euro-Cent pro Liter) beim Kunden einschlägt - andererseits könnte sie, falls sie es nicht tut, den US-Konzern noch weiter nach unten ziehen. Ganze neun Jahre lang hatte die Ehe zwischen Daimler und Chrysler gehalten - 2007 stieß der deutsche Autokonzern DaimlerChrysler den größten Teil seiner nicht lukrativen amerikanischen Sparte wieder ab, und auch der Absprung war mit Verlusten verbunden.
Zitiert
"If you can dream it, we can build it - tell us what you want..."
Chrysler-Slogan
"Simple Lösung". Tankt man ohne die spezielle "Finanz-
spritze", die laut Chrysler eine "simple Lösung für mehr Stabilität" ist, kommt man für die gleiche Menge auf aktuell immerhin mindestens vier Dollar (2,60 Euro). Nordamerika war in Sachen Treibstoffkosten einst ein wahres Paradies, so gesehen ist auch ein aus europäischer Sicht noch immer phänomenal wirkender Preis von 70 Cent (Euro-Währung) pro Liter Benzin nicht mehr so günstig. Der Bedarf, dem Kunden an der Tankstelle entgegenzukommen, scheint in den USA jedenfalls durchaus gegeben: Besonders im Van- und Offroad-Segment haben einige aktuelle Modelle nach wie vor ordentlichen Durst, was wiederum den Kunden angesichts einer nicht abschätzbaren Entwicklung am Ölmarkt in den nächsten Jahrer immer weniger schmeckt. Auch im Land der angeblich so unbegrenzten Möglichkeiten schmerzen Preiserhöhungen.
Zum Thema
Entwicklung verschlafen. Tatsache ist, dass die US-Autoindustrie vor allem auch die Entwicklung von spritsparenden Modellen, alternativen Antriebskonzepten und Hybrid-Technologie über Jahre und Jahrzehnte verschlafen hat. Das Auto-Japan hat, angeführt von Toyota, den drei nordamerikanischen Herstellern im heimischen Markt Millionen Kunden und enorme Marktanteile abgeknöpft. Anbieter aus Fernost verdienen dank ihrer Kostenvorteile und dem starken Wunsch nach ihren Modellen im Gegensatz zu General Motors, Ford und Chrysler in den USA sehr gut. Die drei Konzerne zusammen waren gezwungen, alleine in den vergangenen zwei Jahren rund 80.000 Jobs zu streichen und zwei Dutzend Werke zu schließen.
Features
Konditionen
Die Initiative für "2,99 Dollar Preisgarantie" für ausge-
suchte Modelle gilt für 12.000 Meilen (19.200 Kilometer) Fahrleistung pro Jahr, die Tankmenge ist zudem ab-
hängig vom jeweiligen Verbrauch des Modells. Die "Let's Refuel America Card" ist bei etwa 97 Prozent des gesamten Tanknetzes in den US-Bundesstaaten gültig.
Foto

"Price Lock" bei 2,99 US-DollarFoto © Chrysler













