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Zuletzt aktualisiert: 03.04.2008 um 21:04 Uhr

Erdgasantrieb als echte Alternative? Die wichtigsten Antworten

Das besser ausgebaute Tankstellennetz macht Erdgasantrieb zu einer echten Alternative - Experten beantworten sieben Fragen dazu.

Erdgas: Fahrvergnügen der flüchtigen Art<br>

Foto © APErdgas: Fahrvergnügen der flüchtigen Art

Der flüchtige Treibstoff bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich: Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas entspricht 1,5 Litern Benzin und 1,3 Litern Diesel. Das heißt, man kann mit einem Kilogramm Erdgas dementsprechend längere Stecken zurücklegen. Zudem kostet ein Kilo rund 90 Cent und damit um 20 Cent weniger als flüssiger Kraftstoff. Dazu kommt, dass der Einsatz von Erdgas emissionsarm ist und der Motor leiser läuft. Der Leistungsverlust bei bivalentem Antrieb (bei dem Benzin und Gas verbrannt werden können) ist minimal und bei monovalentem (nur Gasantrieb) gar nicht vorhanden. Prinzipiell kann jeder Otto-Motor mit Erdgas betrieben werden und nachträgliches Umrüsten auf Erdgas ist möglich.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Alternative:

1. Laut Schätzungen der OMV sind 2007 rund 2350 Erdgas-Fahrzeuge zugelassen worden. Warum die Zurückhaltung?
"Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich viele Menschen im Umgang mit Gas nicht wohl fühlen. Sie haben Angst, dass etwas explodieren könnte", sagt Manfred Klell, Spezialist für alternative Kraftstoffe an der TU Graz. Einen weiteren Grund dafür sieht Peter Seidinger, Leiter der Erdgas-Abteilung der OMV, darin, dass die Hersteller noch zu wenige Modelle anbieten: "Da ist noch nicht für jeden das Richtige dabei".

2. Wie funktioniert das Tanken?
Sobald die Zapfkupplung am Füllstutzen korrekt verriegelt ist, strömt das Gas in den Tank. Genauso schnell und unkompliziert wie bei Diesel oder Benzin.

3. Ist beim Fahren mit Erdgas ein Unterschied zu herkömmlichen Fahrzeugen spürbar?
"Dass Erdgas und nicht flüssiger Kraftstoff verbrannt wird, merkt man kaum. Das Motorengeräusch hört sich ein wenig anders an und es gibt einen minimalen Leistungsverlust", sagt Klell. "Da die meisten Autos bivalent sind, kann mit Benzin und Erdgas gefahren werden". Zum Wechseln drückt man einfach einen Knopf - auch während der Fahrt.

4. Manche Parkgaragen verbieten allen gasbetriebenen Fahrzeugen die Einfahrt. Zu Recht?
"Erdgas ist leichter als Luft, das heißt, es verflüchtigt sich schnell", erklärt Klell. Daher würde ständige Luftzirkulation in den Tiefgaragen als Sicherheits-
vorkehrung genügen. "Da haben die Länder als Gesetzgeber Handlungsbedarf". Crash-Tests haben laut ÖAMTC ergeben, dass es bei einem Unfall mit einem Erdgasauto keine Nachteile gegenüber Benzin- oder Dieselfahrzeugen gibt. Niemand brauche sich daher vor einer Explosion zu fürchten.

5. Noch ist ein Kilo Erdgas wesentlich billiger als andere Kraftstoffe. Werden sich diese Steuervorteile halten?
"Eine Garantie wie in Deutschland, wo die Steuern auf Erdgas bis 2018 nicht angehoben werden, gibt es in Österreich nicht", weiß Peter Seidinger. "Aber man darf davon ausgehen, dass die CO2-getriebene Besteuerung weiter forciert wird".

6. Worauf muss man beim Umbau achten?
"Umbauten und die spätere Wartung sollten nur von Spezialisten durchgeführt werden", rät Klell. Nachteil beim Nachrüsten: Für eine höhere Reichweite muss man oft zusätzliche Tanks einbauen, darunter leidet das Platzangebot.

7. Wie sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung aus?
"Auch wenn Erdgasautos in der Anschaffung teurer sind, rentiert sie sich nicht nur für Vielfahrer", betont Manfred Klell. Und selbst wenn sich die Investition erst später rechnet: Eine ökologisch weiße Weste ist auch etwas wert.

KARIN RIESS

Was ist Erdgas?

Erdgas ist ein natürlich vor-
kommender Brennstoff
, der im Vergleich zum Erdöl wesentlich später ver-
siegen
wird. Biogas entsteht beim Vergären von Abfall und aus Klärgasen. Erdgas ist nicht mit dem Flüssiggas LPG (Liquified Petroleum Gas) zu verwechseln: Dieses ist schwerer als Luft, leichter entflammbar und verflüch-
tigt sich langsamer als Erdgas.

Sparpotenzial

In Zeiten stetig steigender Spritpreise, birgt Erdgas ein beachtliches Sparpotenz-
ial
, weil es lediglich mit einer Erdgasabgabe, nicht aber mit der hohen Mineralölsteuer belastet ist.

Tankstellen-Netz

Derzeit gibt es in ganz Öster-
reich 104 Erdgastank-
stellen
, bis 2010 soll das Netz auf etwa200 erweitert werden. In Italien und Deutschland ist die Infra-
struktur gut ausgebaut
- einem Urlaub mit Erdgasauto steht also wenig im Wege.

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